Wenn es am Mars Leben gibt, dann geht es dort vielleicht so zu wie im Cafe Rosi. Sehr, sehr exotisch… Ob man am Mars auch wienerisch spricht? Schwer zu sagen, es war noch niemand dort und die Marssonden haben bis jetzt noch nichts Gegenteiliges gemeldet. Auszuschließen wäre es also – obschon eher unwahrscheinlich – nicht. Die Großfeldsiedlung jedenfalls – und mit ihr das Cafe Rosi – die steht nicht am Mars, sondern in Wien. Obwohl sich die Besucher eigentlich nicht so sicher sein können… Die Großfeldsiedlung, die war ein städteplanerisches Experiment der 70er Jahre in Wien. Der wirtschaftliche Boom führte zu markanten Erweiterungen des städtischen Wohnbaus auf der Grundlage der Stadtentwicklungsplan Roland Rainers aus dem Jahr 1961. Die innovativen Bauten der 20er Jahre des “Roten Wiens” standen Pate bei diesem Projekt, erschwinglicher Wohnraum für alle, war das Ziel. Was jedoch in den 20er Jahren ein bisher noch nie gesehenes soziales Experiment war, mutierte in den 70ern zu einer Serie von seelenlosen Plattenbauten. Realer Sozialismus und ein Hauch DDR am Wiener Stadtrand…
Bereits im Jahr 1933 hatte die Stadt Wien das Areal für eine Erwerbslosensiedlung zur Verfügung gestellt. Die Siedler erhielten damals Grund und konnten sich mit Obst, Gemüse versorgen…
1973 entstand dann auf diesem Areal die Großfeldsiedlung, eine „Wohnstadt“ für über 20.000 Bewohner mit Plattenbauten, Hochhäusern, Einkaufszentren, Cafes und Sozialeinrichtungen. Trotz der Versuche der Gemeinde Wien ein attraktives Umfeld zu schaffen, ist Wohnen in der Großfeldsiedlung heute ein Synonym für soziale Ausgrenzung, hohe Arbeitslosigkeit, Ausländerfeindlichkeit und Armut. Dass die rechte Wiener FPÖ vor allem in diesem spannungsgeladenen Umfeld Wähler rekrutieren kann, ist nicht weiter verwunderlich.
